klara linthe portrait von beate nelken

KLARA LINTHE


Jahrgang 66

Angewandte & Bildende Kunst
Schmuck und Gerät • Textil • Malerei • Grafik • Lyrik • Gesang • Performance

Ausbildung
Schuhschaftstepperin (Maßanfertigungen für Theater- und Tanzschuhe)

Studien
Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg • Mode
Abendakademie Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig • Akt-/Naturstudium
"Die Etage" Berlin • Malerei/Bühnenbild
Akademie der Bildenden Künste München • Schmuck/Gerät

Mitbegründerin der Bewegung Spielwiese/Spielwagen
in den achtziger Jahren der DDR, freies und darstellendes Spiel mit Kindern

Veranstalterin von AMARANTHAS SALON

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So wie sich Klara Linthe mit vollem Einsatz ihrer Persönlichkeit in Vorstellungen und Performances
einbringt - ich denke nur an „Das Mädchen ohne Hände“ oder „rehvieh rindsfee“ oder ihren Auftritt
an einem Frauentag hinter der Nähmaschine, das Puppenkind an den Körper geschnürt, vor einem
Blumen-geschäft in Mitte, genauso fließt ihr Geist auch in Seminare und Workshops ein.
Dabei geht es nicht nur darum, dem Lernwilligen zu zeigen, „wie was“ gemacht wird . Nein, sie selbst
öffnet sich, ihr Umfeld schwingt mit und ihre kleinen materiellen Schatztruhen sind geöffnet.
Und das ist das Wesentliche. Sie lockt bei dem Anwesenden das, was im Verborgenen schlummert,
was er im normalen Alltag nicht rauslässt, heraus, ganz behutsam. Obgleich sie die Kursteilnehmer
nicht strategisch lenkt, sondern an der ganz langen Leine lässt, hilft sie intuitiv immer da oder dem,
der Anschub braucht.
Das kann sogar mit Musik verbunden sein, indem sie mit ihrer wohlklingenden Stimme singt oder auch
alle gemeinsam ein Volkslied nach vorbereiteten Zetteln anstimmen. Welch Mut in unserer heutigen
Zeit, wo dies kaum noch vorkommt und dabei wurde doch in früheren Zeiten bei handwerklichen
Verrichtungen viel gesungen, bestätigt nicht der Volksmund „Wo man singt, da lass dich nieder...“
Da stehen dann alle die Behältnisse mit Materialien bereit, die sie nicht nur für die Workshops
zusammengesucht hat. Nein, es sind Stationen ihres Lebens.
Man sucht sich als Kursteilnehmer aus dem Sammelsurium das raus, was einen anspricht und ganz
nebenbei kommentiert Klara dann einen verrosteten Büchsenboden, der in einen Halsschmuck, ein
„collier de chien“ einfliessen soll: „Ach, den habe ich in Südfrankreich am Strand gefunden“.
Jeder geht in der Gemeinschaft unter ihrer anleitenden Hand seinen eigenen Weg.
Der Vielfalt der Menschen entsprechend, auch wenn ein Thema vorgegeben war, kommt jeder
Kursteilnehmer mit einem ihm entsprechenden Objekt, einem eigenen Werk zum Ziel.
Was will der Mensch mehr, wenn er in der Gemeinschaft, in geselliger Runde, etwas für den Moment
oder die Ewigkeit schaffen kann, eben bei Klara Linthe.
EVELYN ULZEN